Große Einbußen durch Trockenheit – Bauern blicken nach vorn

Von Harald Lütkemeier
Nelben /MZ
– Zum diesjährigen Mähdrusch- Nacherntegespräch im Landwirtschaftsbetrieb Saudhof war das Interesse der mehr als 30 Landwirte groß, galt es doch basierend auf die bisherige Situation sich auf die anstehenden Herausforderungen in ihren Betrieben einzustellen und auszutauschen.
Zu Beginn besichtigten die Teilnehmer die Öko-Kartoffeln von Matthias Saudhof. Hier war die Differenziertheit auf dem 30 Hektar-Schlag sehr groß, während die Öko-Speisekartoffelsorte Allianz auf der 1ha Versuchsfläche ordentliche Erträge verspricht, weist die Proberodung bei der Öko-Stärkekartoffelsorte Euro Nova auf den restlichen 29 Hektar aufgrund des geringen Knollenansatzes (nur 1-2 Knollen) auf erhebliche Mindererträge und ein hohes Minusergebnis hin.
„ Im folgendem Jahr gebe ich dem Öko-Speisekartoffelanbau den Vorzug“, erklärte Matthias Saudhof im regen Erfahrungsaustausch den interessierten Berufskollegen. In seiner Getreidelagerhalle wurde der Gedankenaustausch zum zukünftigen Getreideanbau und mögliche Alternativen fortgesetzt.
Tischumfrage
Im Anschluss bat die Geschäftsfüherin des Bauernverbandes Salzland, Susanne Brandt, in einer Tischumfrage die Landwirte um einen Situationsbericht aus ihren Betrieben. Bernd Knopf, Geschäftsführer der Lödderitz & Breitenhagen GbR berichtete vom schwierigen Beginn der Rapsaussaat, Abteilungsleiter Dirk Schumacher, Agrargenossenschaft Baalberge wies auf die zu erwartenden sehr geringen Erträge bei Zwiebeln, Kartoffeln und Möhren sowie die Auflaufschwierigkeiten beim Raps hin. Geschäftsführer Steffen Gerber, Agrargenossenschaft Calbe, vermittelte die schwierige Situation bei den Sonderkulturen: extrem frühe, sehr geringe Majoranernte, kleine Zwiebeln mit Qualitätsproblemen und sehr begrenzte Wasserverfügbarkeit für Beregnung. Landwirt Rose- Borsum aus Plötzkau schilderte den besorgniserregenden Zustand seiner Zuckerrübenbestände infolge Befall durch nicht bekämpfbare Rübenmotte und Folgeschädigungen. Der aktuell geschätzte Rübenertrag wird sicher ein Minus von 50 % bringen, die kleinen gummiartigen Rübenkörper werden schwer zu ernten sein. Auch bei der Maisernte sind Mindererträge von über 50 Prozent festzustellen.
Dürre ist eine Naturkatastrophe
Susanne Brandt erläuterte die allen übergebenen Ernteermittlungen, bezifferte die hohen Ertragseinbußen und großen Differenzierungen auf einzelnen Standorten. Die vorliegende Pressemitteilung zum Beschluss des Kabinetts der Landesregierung vom 28.August, die die Dürre im Land als ein mit einer Naturkatastrophe gleichgestelltes widriges Witterungsverhältnis feststellt,
wurde kommentiert. Neben den Ertragseinbußen im Ackerbau stehen die Verluste im Futterbau im Fokus. Hier ist die Situation in anderen Regionen in Betrieben mit großer Rinder- und Schafhaltung besonders kritisch. Aber auch im Salzlandkreis müssen die Betriebe mit Rinderhaltung große Anstrengungen unternehmen um die Futtersicherung für ihre Tierbestände zu sichern. Futterzukauf kostet zusätzlich Geld, alle Tierbereiche leiden zudem unter den rasant steigenden Preisen für Futtermittel.
Zum Dürrehilfsprogramm und dessen Umsetzung in Sachsen-Anhalt sprach der Präsident des Bauernverbandes Olaf Feuerborn, der zur Beratung hinzukam. Es wurde deutlich, dass in weiteren noch ausstehenden Beratungen auf Bundes- und Landesebene Auflagen für das Dürrehilfsprogramm festgelegt werden sollen. Wie schnell Hilfe in existenzbedrohten Betrieben ankommt, unter welchen Bedingungen und in welcher Höhe ist noch fraglich. Feuerborn, selbst Landwirt bei Köthen, warb um Zuversicht und viel Eigengestaltung bei der Bewältigung der großen Herausforderungen, nicht zuletzt im Bemühen um Einvernehmen mit der Bevölkerung.
Dies war letztlich auch die Grundstimmung in dieser Gesprächsrunde, mit dem Blick nach vorn und mit großem Engagement die anstehenden Erntearbeiten, Herbstbestellung und die weitere Betriebsführung erfolgreich zu bewältigen.